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Internationale wissenschaftliche Konferenz

Kazimierz-Wielki-Universität  Bydgoszcz, 20.11.2009

 

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ZUSAMMENFASSUNGEN

I. Plenarteil:

EWA MARIA SLASKA M.A.

Günter Grass, wolnoœæ i ja

Günter Grass, Freiheit und ich

Der Vortrag von Ewa Maria Slaska, betitelt „Günter Grass, Freiheit und ich”, ist eine schriftstellerische Bearbeitung ihres Lebenslaufes – in dem wie ein Leitmotiv – immer wieder Fäden und Protagonisten der Romane von Günter Grass auftauchen.Beide stammen aus Danzig / Gdañsk, und genauer:  aus Langfuhr / Wrzeszcz, und beide verließen diese Stadt, um nach Berlin zu kommen. Sie haben sich persönlich kennen gelernt, das heißt, irgendwann kam es zur Begrüßung, Briefwechseln, gar Geschenken, damit war aber auch Schluss. Da wo für den berühmten Autor die Person von Ewa Maria Slaska keinerlei Bedeutung hat, ist Günter Grass für die Autorin eine sehr wichtige Bezugsperson. Sie stammen beide aus Danzig, sie wohnten bzw. wohnen weiterhin in Berlin. Sie wurden von den Städten gekennzeichnet, die etwas Gemeinsames verbindet, diese außergewöhnlichen Wesenszüge, die sie von allen anderen Städten in Europa unterscheidet. Isolierte Städte, denen eine historische Rolle in der Geschichte der 20. Jahrhunderts zuteil geworden ist. Grass, geboren in der Freien Stadt Danzig, erlebte dort den Beginn des 2. Weltkriegs und ihren Niedergang, zuerst der Freien Stadt und dann der Stadt selber. Übersiedlung nach Berlin, erlebte er dort den Bau der Berliner Mauer. Ewa Maria Slaska, geboren in Gdañsk, wenige Jahre nach dem Krieg, lebte dort bis 1985. Sie war dabei, als die Solidarnoœæ entstand und als sie vom kommunistischen Regime erdrosselt wurde. Als sie als politischer Flüchtling nach Berlin auswanderte, lebte sie in Berlin West und war Zeugin des Mauerfalls. Beginn des Kriegs – Ende des Kriegs – Teilung Europas - Mauerbau – Streik auf der Leninwerft – Entstehung der Solidarnoœæ – Kriegszustand – Fall der Berliner Mauer – Wiedervereinigung Deutschlands und Europas. Danzig bzw. Gdañsk und Berlin spielten bei all diesen Ereignissen eine Schlüsselrolle.Beide sind Zeitzeugen, Zeugen der großen Ereignisse in der Geschichte unserer Welt. Zugleich stellt sich die Autorin auch die Frage, wie viel Wahrheit kann ein Schriftsteller wiedergeben, der ein Zeitzeuge ist und über seine Gegenwart schreibt.

Prof. ALBERT KOTOWSKI

Polska i niemiecka œwiadomoœæ historyczna.

Polnisches und deutsches Geschichtsbewusstsein.

Gibt es nach dem Fall der Berliner Mauer nichts, was die Polen und die Deutschen trennen würde? Doch, die Geschichte – darauf weisen die deutsch-polnischen Kontroversen und Streitigkeiten der letzten Dekade hin, deren Hintergrund die historischen Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg und aus der unmittelbaren Nachkriegszeit bilden. Ziel des Referates ist es, die Unterschiede im polnischen und deutschen Geschichtsbewusstsein aufzuzeigen, wobei die persönlichen Erfahrungen des Referenten eine wichtige Rolle spielen. 

II. Sektion „Geschichte – Politik – Gesellschaft“

Dr. Mateusz Wiliñski

Bondowie Wschodu

Die James Bonds des Ostens

Ziel dieses Aufsatzes ist es, die heutige Wahrnehmung der außennachrichtendienstlichen Aktivitäten der ehemaligen VRP und DDR zu analysieren. Dies beruht auf Auswertung des Erscheinungsbildes von zwei ehemaligen und wohl bekanntesten Beamten des Spionagedienstes in Volkspolen und Ostdeutschland. Hier werden Marian Zacharski und Markus Wolf gemeint. Eigene Vorstellungen beider Kundschafter und Einschätzungen anderer Personen werden konfrontiert. In diesem Text wird auch nach der Feststellung gesucht, ob die Gesellschaft die geheime, faszinierende Welt des Außennachrichtendienstes von der grausamen Welt der verhassten politischen Polizei separiert. 

Dr. Lech Zieliñski , Dr. Marek Chamot -

Dr. KATARZYNA GRYSIÑSKA

Sytuacja w Berlinie w sierpniu 1961 roku w œwietle polskiej prasy

Situation in Berlin im August 1961 im Lichte der polnischen Presse

Im Zeitraum der Volksrepublik Polen war die polnische Presse weit davon entfernt, aus dem Meinungsfreiheitsrecht Gebrauch zu machen. Alle Medien unterlagen einer strengen Aufsicht und infolge der Zensur gelangte zur Gesellschaft ein absichtlich entstelltes Bild der Realität, in dem die Rolle der Guten die Sowjetunion und Mittel-Ost-Europa-Staaten spielten, dagegen im ungünstigen Licht stellte man „die mit Kapitalismus verseuchte westliche Welt mit imperialistischen Bestrebungen" dar. Die Artikeltexte und sogar verhältnismäßig kurze Informationsnotizen waren mit Begriffen überfüllt, die charakteristisch für die Sprache der sozialistischen Propaganda waren. Das spiegelt sich in der Darstellung - in der oben erwähnten Presse - der Situation in Berlin vor und nach dem 13. August 1961 wider und zwar sowohl in der gesamtpolnischen (u.a. „Trybuna Ludu", „S³owo Powszechne", „Polityka") als auch in der regionalen Presse („Gazeta Pomorska", „Dziennik Wieczorny" und „Ilustrowany Kurier Polski"). Mutiger schrieb „Kultura". Ein durchschnittlicher Pole, für den irgendeine von den oben genannten Zeitungen die Hauptinformationsquelle war, war überzeugt, dass die Lage in Berlin sich verschärfte, weil die westlichen Großmächte gegen das Abschließen eines Friedensvertrags mit den Deutschen waren und sich nicht entschließen wollten, irgendwelche Maßnahmen zu unternehmen, die zur Verbesserung der Situation in Berlin fuhren sollten. Die Schritte, die wiederum von der sowjetischen Seite unternommen wurden galten als notwendig, nicht nur in Hinsicht auf die Sicherheit der Deutschen, die in der DDR wohnten, sondern auch zur die Staaten der Volksdemokratie. Folge der Informationenmanipulation ist die Tatsache, dass die Presse kein Wort vom Auslegen des Stacheldrahtverhaus, vom Anfang des Baus der Betonmauer oder davon, dass die an der Mauerlinie liegenden Wohnhauser geleert wurden, sagte. Es taucht dagegen eine Bezeichnung „Sicherheitszone" auf, „außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen". Den Pressemeldungen nach fanden alle diese Wirkungen volle Zustimmung und lösten sogar Enthusiasmus bei den Deutschen aus. Die Lektüre von zigtausend Artikeln, die sich grundsätzlich im Inhalt voneinander nicht unterscheiden, zeigen hervorragend, wie man die polnische Gesellschaft und die Öffentlichkeit manipulierte.

MARIA GAST-CIECHOMSKA

Wenn Mauern fallen

Das Thema des Vortrags sind Erinnerungen und Reflexionen über die Zeit der "Solidarnoœæ" und des Kriegsrechts in Polen sowie über den Aufenthalt in Berlin seit Ende 80-er bis heute - also seit der Epoche der Mauer bis in die Zeit der wiedervereinten Stadt und des wiedervereinten Deutschlands. Es ist ein durchaus privates und persönliches Zeugnis, das nicht verallgemeinert werden darf. 

Dr. KATARZYNA K¥CKA

Obraz Niemiec i Niemców w polskiej prasie po upadku muru berliñskiego

Das Bild Deutschlands und der Deutschen in der polnischen Presse nach dem Fall der Berliner Mauer

Die Umwandlungen des Runden Tisches und der Fall der Berliner Mauer waren der Anfang der Veränderungen nicht nur in Polen und Deutschland, sondern auch in ganz Europa. Diese Umwandlungen beeinflussten bedeutend die gegenseitige Wahrnehmung der beiden Nationen. Die Geschichte und insbesondere die mit dem zweiten Weltkrieg verbundenen Fragen determinieren immer noch die politischen Beziehungen zwischen den Ländern, allerdings wirken sie sich immer weniger auf das Bild Deutschlands und der Deutschen in Polen aus. Die gegenwärtigen Polen, insbesondere die junge Generation, erklären eine steigende Sympathie gegenüber dem westlichen Nachbarn. Deutschland wird heutzutage schon meistens als Land der Ordnung betrachtet, nicht als Besatzer. Wegen der vorrangigen Stellung Deutschlands in der polnischen Auslandspolitik nehmen die weit verstandenen deutschen Fragen den obersten Platz in den größten polnischen Zeitschriften ein. Grundsätzlich kreiert also die Presse das Bild und beeinflusst die Wahrnehmung der Deutschen durch die Polen. Grundsätzlich kreiert die Presse das Bild und beeinflusst die Wahrnehmung der Deutschen durch die Polen. Dieses Bild hat sich seit 1989 positiv umgewandelt. Es ist allerdings immer noch nicht frei von geprägten Klischees und Denkschablonen.

Dr. ANDRZEJ PURAT –

KRZYSZTOF GARCZEWSKI, M.A.

Berlin pamiêci¹ podzielony. Polacy, Niemcy i dyskusje historyczne po upadku muru berliñskiego.

Berlin durch Erinnerung geteilt. Polen, Deutsche und historische Diskussionen nach dem Mauerfall

Zwanzig Jahre nach dem Berliner Mauerfall begegnet in der deutschen Hauptstadt die Vergangenheit an jedem Ort der Gegenwart. Der historische Durchbruch des Jahres 1989 führte ebenso an der Spree zum neuen Blick auf viele Aspekte der schwierigen Vergangenheit. Seitdem werden in Berlin permanent mehrere historische Debatten geführt.  Das im Jahre 2005 im Herzen Berlins entstandene Denkmal für die Ermordeten Juden Europas gilt als Symbol der neuen Geschichtspolitik der Berliner Republik. Daneben ist die seit ein paar Jahren geführte Debatte über die Berliner Gedenkstätte für die Vertriebenen nur ein Tropfen im Ozean der historischen Konflikte, über die Polen und Deutsche nach wie vor heftig debattieren. Heute vergessen auch die Deutschen die Rolle der polnischen Freiheitsbewegung Solidarnoœæ bei der demokratischen Wende vom Jahre 1989 nicht. „Es begann in Danzig“ – Plakate mit der Aufschrift, die man an vielen Orten Berlins im Frühling 2009 finden konnte, erinnerten an den Beitrag der Solidarnoœæ zur Wiedervereinigung Deutschlands.  Ein weiteres Zeichen in Richtung eines deutsch-polnischen Gedenkens ist die Enthüllung vor dem Reichstag im Juni 2009 eines Stückes Mauer von der Danziger Werft. Das Gedenkjahr, das momentan läuft, ist das beste Beispiel dafür, dass die Vergangenheit unserer Zukunft prägt.

III. Sektion „Audiovisuelle Kunst“

Dr. Alexander Tölle

Gewundene Wege zur Freiheit, Der Potsdamer Platz in Berlin und die Danziger Werft – symbolische Orte oder inszenierte Räume?

Der Potsdamer Platz in Berlin und die Danziger Werft sind Orte, die symbolhaft für den Kampf um die Freiheit stehen, also um die Beseitigung der für ein geteiltes Europa und für diktatorische Unterdrückung stehenden Mauern des Kalten Krieges. Nach 1989 sollten beide Orte zu Symbolen der neuen postkommunistischen Zeit umgestaltet werden. Für den ehemaligen Mauerstreifen am Potsdamer Platz ebenso wie für das Gelände der Danziger Werft, die als Produktionsunternehmen schnell den Kräften einer globalisierten Wirtschaft erlegen war, sind in der Form großer städtebaulicher Projekte das Entstehen neuer Welten mit „Central Business Districts”, „Urban Entertainment Centers” und „Festival Market Places” geplant worden. Entgegen den Erwartungen haben sich diese Orte jedoch nicht zu den erhofften „Flaggschiffprojekten“ einer erfolgreichen Transformation ihrer Städte entwickelt, sondern stehen eher für deren Anpassungsprobleme an die neuen soziokulturellen Gegebenheiten. Eine Analyse der urbanen Metaphorik dieser Orte zeigt die Notwendigkeit des Niederreißens weiterer – mentaler – Mauern zur Entwicklung eines Verständnisses für heutige Stadtentwicklungsmechanismen sowie für die Logik der globalisierten Marktwirtschaft und städtischer Netzwerke, vor allem jedoch dafür, dass die besondere Geschichte der Städte hinter dem Eisernen Vorhang sehr viel behutsamere Formen der Integration von Erinnerungsorten in neue Vorhaben erfordert als deren schlichte Inszenierung.

  Karol Gliszczyñski, M.A.

Mauerfall und der Umbruch von SolidarnoϾ 1989 im WWW-Netz. Eine kontrastive Darstellung

Das Referat ist ein Versuch, das Webangebot zu den deutschen und polnischen Freiheitssymbolen (Mauerfall, Solidarnoœæ 1989) darzustellen. Es wurden dabei diverse Webseiten, Portale und Netzwerke verglichen. Diese werden in kontrastiver Weise nach verschiedenen Kriterien klassifiziert. Innovative Formen der Darstellung sowie Merkmale von Web 2.0 (Multimedialität, Netzwerk-Charakter, Interaktionsmöglichkeiten) werden zu einem wichtigen Kriterium bei der Klassifizierung. Das Referat, unterstützt mit vielen Beispielen, soll einen Überblick über Online-Initiativen zum 20-Jubiläum des Mauerfalls und der ersten freien Wahlen in Polen geben. 

  Dr. Bernadetta Matuszak-Loose

Solidarität und Einsamkeit. Über die symbolische und politische Bedeutung der Berliner Mauer im deutschen und polnischen Film

Der Berliner Mauer haftete zeit ihrer Existenz in den Jahren zwischen 1961 und 1989 die Ambivalenz an, dass sie physisch höchst sichtbar und ihre Begrenzung zutiefst spürbar war, als Symbol, als Metapher jedoch von einer tabula rasa umgeben war, die die Mauer namentlich im Filmschaffen in der DDR und in ganz Ostmitteleuropa nur gleichsam ex negativo erfahrbar machte. Insofern setzte sich diese Ambivalenz auch in dem Begriff des „Mauerfalls“ fort, der in politischer Hinsicht die Rückkehr Polens und der DDR in die europäische demokratische Staatengemeinschaft bedeutete. Für das Filmschaffen sind zudem auch andere Mauerverläufe als die zwischen West- und Ostberlin zu konstatieren, namentlich in den ostdeutsch-polnischen kinematografischen Beziehungen vor und 1989. Dass die Berliner Mauer in dieser Beziehungsgeschichte sowohl Solidarität im Kampf gegen die kommunistischen Regime als auch Einsamkeit in diesem Konflikt bedeuten konnte, soll an ausgewählten Filmbeispielen exemplifiziert werden, unter anderem an Der geteilte Himmel (1964), Spur der Steine (1964), Cz³owiek z ¿elaza (1981) und einer Reihe weiterer Filme aus der Zeit nach 1989 wie beispielsweise Good Bye, Lenin (2003), Lichter (2002) und Strajk (2006).

  Dr. EWA FIUK

Echa roku 1989 w polskim i niemieckim filmie fabularnym jako jeden z fundamentów dialogu miêdzykulturowego – zarys problematyki

Widerhall des Jahres 1989 im deutschen und polnischen Spielfilm als Fundament des interkulturellen Dialogs: ein Umriss der Problematik

Die seit 1989 eingetretenen gesellschaftspolitischen Veränderungen, deren Wurzeln im Runden Tisch sowie im Fall der Berliner Mauer zu finden sind, wurden schon kurz nach der Wende zu einem relevanten Motiv in soziologischen Analysen, die auf dem Gebiet der Kunst, also auch der Filmkunst, durchgeführt wurden. In den letzten zwei Jahrzehnten entstanden sowohl in Deutschland als auch in Polen zahlreiche Filme darüber, wie der politische Wandel das Alltagsleben der Bürger beider Länder beeinflusste. Filme wie Psy, Pogoda na jutro, Persona non grata, Berlin is in Germany, Die Datsche oder Das Leben der Anderen greifen diverse Zusammenhänge der Transformation auf und veranschaulichen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der deutschen und polnischen Auffassung des Verlaufs, der Bedeutung sowie der Folgen des Umschwungs von 1989. In diesem Zusammenhang wäre es angebracht, über die Art der Erfahrungen von Deutschen und Polen nach 1989 nachzudenken und zu erwägen, wie der Film, als ein jene Erfahrungen vermittelndes Medium, diese aus der Sphäre des Privaten auf die Ebene der kollektiven Vorstellungen transponiert, und dadurch das Bild der Gesinnung beider Nationen schildert. Im Rahmen einer Vergleichsanalyse des deutschen und polnischen Kinos entsteht der interkulturelle Dialog: Indem wir den Anderen kennenlernen und zugleich unser Selbstbewusstsein vertiefen, erhalten wir die Möglichkeit einer besseren gegenseitigen Verständigung. Filme gewähren uns einen Einblick in die Motivation, Ziele und Argumente unseres Gesprächspartners, was dazu führen kann, dass das Gespräch effektiver gestaltet wird, und zwar auf einer allgemeinzugänglichen Ebene, im Rahmen der Popkultur, also jenseits solcher hermetischen Erfahrungen wie diplomatische Beziehungen, Teilnahme an Nichtregierungsorganisationen, wissenschaftlichen Konferenzen oder Schüler- und Studentenaustausch. Der interkulturelle Dialog setzt, wie „jeder Dialog eine gemeinsame Sprache voraus, oder besser: er formt eine gemeinsame Sprache” (Hans-Georg Gadamer). Damit kann durchaus die Filmsprache gemeint sein, eine Sammlung von universellen Ausdrucksmitteln, mit denen die Filmemacher, unabhängig von ihrer Herkunft, ähnliche Inhalte vermitteln. Diese Sprache kann sich aber auch auf die filmische Handlung an sich beziehen, die immer für eine gewisse Realität steht. In diesem Fall ist es die gesellschaftspolitische Realität  in Deutschland und Polen nach 1989.

Prof. PIOTR ZWIERZCHOWSKI

Recepcja kinematografii NRD w polskim piœmiennictwie filmowym (1949-1990)

Rezeption der DDR-Filme in der polnischen Filmliteratur (1949-1990)

Aufgrund außerkünstlerischer Bedingungen fällt es schwer, die polnische Filmliteratur als eine Quelle des Wissens über die Filmproduktion in der DDR zu betrachten. Die untersuchten Texte liefern uns mehr Informationen über polnische Filmkritik als über DDR-Filme. Die Rezeptionsanalyse des ostdeutschen Kinos lässt jedoch den Versuch zu, verschiedene Gesichtspunkte offizieller Wahrnehmung der befreundeten Filmproduktion genauer unter die Lupe zu nehmen: Worauf haben die Autoren der Texte über DDR-Filme geachtet? Hat die polnische Filmliteratur das rituelle Ausmaß des Schreibens über die befreundete Filmproduktion überschritten? Hat auch die polnische Filmkritik auf die Ereignisse reagiert, die außerhalb der Filmproduktion passiert sind? Wie hat man über das Kino in der DDR direkt nach ihrer Gründung sowie kurz vor ihrem Zusammenbruch geschrieben? Auf diese Fragen wird im Vortrag eingegangen.

IV. Sektion „Literatur und Presse“

Dr. KATARZYNA NORKOWSKA

„Und was habt ihr getan? Was tut ihr jetzt?” (B. Burmeister) „Ich“ und die „Wende“ -  Verarbeitung historischer Prozesse in autobiographischen Schriften von Günter de Bruyn, Kurt Drawert und Thomas Rosenlöcher.

Die erste Phase nach dem Mauerfall steht in Deutschland unter dem Zeichen der literarischen Dokumente, darunter Autobiographien, Tagebücher und Protokolle. Zu tun haben wir mit einer egozentrischen Erzählweise, mit einer individuellen Auseinandersetzung mit dem eigenen Schicksal wie mit der jüngsten Geschichte.  Autobiographische Texte haben nicht selten eine therapeutische Funktion. Manchmal geht es darum, sich selbst zu rechtfertigen oder auch nach einer neuen Identität zu suchen. Die Prognose über die zukünftige literarische Produktion, die der Schriftsteller Wulf Kirsten in einem Interview bereits im Frühjahr 1990 gibt, scheint sich zu bestätigen: „Jetzt wird es erst mal dokumentarische Literatur geben, Augenzeugenberichte, Protokolle. Aber die eigentliche literarische Verarbeitung in Romanen, Theaterstücken und Gedichten, das wird ein Weilchen auf sich warten lassen.“ Das Referat setzt sich mit der unmittelbaren Reaktion auf die Wende auseinander. Behandelt werden Erlebnisprotokolle von Günter de Bruyn, Kurt Drawert und Thomas Rosenlöcher. All die Texte halten politisch-gesellschaftliche Entwicklungen wie individuelle Befindlichkeit fest. Gesucht wird außerdem nach polnischen Akzenten bei den oben erwähnten Autoren.

Dr. ANNA GÓRAJEK

Polnische und ostdeutsche Opposition – gegenseitige Wahrnehmung (im Spiegel der Untergrundpresse).

So nah und doch so fremd - war die DDR für viele Polen, die sie zwar in ihrer Reise nach Westberlin oder in die Bundesrepublik durchquerten, in ihren Kaufhäusern gerne  Einkäufe machten, aber selten bewusst aufnahmen. Für die polnische Opposition war die DDR-Bevölkerung ein Musterbeispiel für Mitläufertum, der DDR-Staat ein Hindernis auf dem Weg nach Europa. Man widmete dem Nachbarn wenig Aufmerksamkeit und dachte in stereotypen Bildern von angepassten, gehorsamen Menschen. Die Existenz einer ostdeutschen Opposition passte nicht in ein solches Bild und wurde daher von vornherein verneint. Desto ist es nicht verwunderlich, dass in der polnischen Untergrundpresse nur wenige Zeugnisse auffindbar sind, die von der Wahrnehmung der ostdeutschen Opposition durch die polnischen Oppositionellen zeugen. Nimmt man dagegen den ostdeutschen Samisdat unter die Lupe, kommt zum Teil ein anderwärtiges Bild zum Vorschein, wobei man hier zwischen dem politischen und dem künstlerischen Samisdat unterscheiden muss. Im politischen trifft man des öfteren auf Bezüge zur gesellschafts-politischen Entwicklung und zur Opposition in Polen., der künstlerische - in seiner eher apolitischen Ausrichtung -  schenkte Polen kaum Aufmerksamkeit, wobei eindeutig frühere (in den 1970er Jahren geknüpfte) Kontakte zu Polen bzw. das Fehlen solcher Erfahrungen eine Rolle spielten.

FRIEDERIKE PARTZSCH, M.A.

Wolfgang Templin: SolidarnoϾ und Mauerfall.

Die Solidarnoœæ -Bewegung in Polen rief in der DDR unterschiedliche Reaktionen hervor. Von Staatsseite wurde sie rigoros abgelehnt und als „konterrevolutionäre“ Bewegung gebrandmarkt. Die SED führte einen Propagandakampf gegen die polnische Befreiungsbewegung und gegen deren Sympathisanten im eigenen Land, der nicht ohne Wirkung blieb und antipolnische Ressentiments in  breiten Bevölkerungsschichten schürte. Anders sah es in bestimmten Kreisen der Intellektuellen in der DDR aus. Voller Hoffnung blickten sie in Richtung Polen, knüpften und pflegten persönliche  Verbindungen und sahen in den Ereignissen dort eine Möglichkeit, die kommunistische Gesellschaft zu verändern, Reformen durchzusetzen und Freiheiten zu erlangen. Diese Erkenntnisse ebenso wie handfeste Praktiken des Widerstandes trugen sie in die sich langsam formierenden und wachsenden oppositionellen Gruppen der DDR hinein. Exemplarisch für einen Intellektuellen, der die Solidarnoœæ als Vorbild für Veränderungen im eigenen Land ansah, ist der Publizist Wolfgang Templin, dessen Studienaufenthalt in Warschau im Jahre 1976/77 außerordentlich prägend für sein weiteres Leben wurde, denn in Polen fiel die Entscheidung, der DDR nicht den Rücken zu kehren und zu emigrieren, sondern im Land selbst nach Veränderungen und Reformen zu streben. Als Mitbegründer der „Initiative für Frieden und Menschenrechte“ im Jahre 1985 prägte er den Weg der DDR zum Jahr der friedlichen Revolution 1989 entscheidend mit und zeichnete sich darüber hinaus durch kontinuierliche Kontakte zum Nachbarn Polen aus, die im Jahre 2008 durch die Verleihung des Kavalierkreuzes des Verdienstordens der Republik Polen und 2009 durch den DIALOG-Preis ihre Würdigung erfuhren.

  Dr. MAGDALENA DONDEROWICZ

Die deutsche Sprache 20 Jahre nach der Vereinigung. Ist die „Sprachmauer“ gefallen?

Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung mussten sich die Menschen in beiden Teilen Deutschlands überlegen, wie sie mit dem Erbe der SED-Diktatur umgehen wollen. Anfangs gab Probleme nicht nur mit der unterschiedlichen Systemordnung sondern mit der Alltagskommunikation. Die Burger aus beiden Staaten mussten die Veränderungen in Kauf nehmen. In dem Artikel kann man viele Beispiele für typisch ostdeutsche Wörter finden, die bis heute überlebten und immer noch gebräuchlich sind. Die Ostdeutschen haben keine Ostdeutsche Sprache herausgebildet, sie haben innerhalb von 40 Jahren eine nationale Varietät des Deutschen geschaffen. Der Artikel stellt einen kurzen Abriss von der geschichtlichen Entwicklung der deutschen Sprache dar und nennt neue Entwicklungstendenzen für nächste Jahrzehnte.

 

Dr. DOROTA PRUSS-P£AWSKA

 „Es war einmal das Land hinter der Mauer“ – einige Bemerkungen zum kritischen Potential der Märchen am Beispiel der DDR-Literatur der achtziger Jahre

Meine Recherchen gelten dem kritischen Potential der Märchen. Dieses Genre gewann bei DDR-Autoren große Popularität, weil diese Erzählform, dem Märchen eigen, den sozialen und gesellschaftlichen Normen des totalitären Staatssystem der DDR entgegenkam. Das Märchen wurde zum „Medium für theologische, philosophische, politische und andere Aussagen“ (Mayer/Tismar, Kunstmärchen, 1997, S. 144). Einen Einblick in die Rolle, die Märchen in der DDR spielten, sollen ausgewählte Märchentexte geben, die als literarische Allegorien für politische und soziale Missstände des „Landes hinter der Mauer“ konzipiert wurden. Es sollte hierbei auf einige Parallelen und Unterschiede zur polnischen Literatur der 80-er Jahre hingewiesen werden.

  Dr. KRZYSZTOF OKOÑSKI

Zum Motiv der Berliner Mauer in der Literatur und Literaturpublizistik der polnischen Emigration und des „zweiten Umlaufs” in der VR Polen

Der Themenkomplex „Berliner Mauer – SED-Diktatur – Meinungsfreiheit“ zählte  trotz der  „zwangsverordneten Freundschaft“ (Ludwig Mehlhorn)  zu den meistverdrängten Aspekten der Beziehungen zwischen den „Brüderländern“ DDR und VR Polen. Da jegliche Versuche, die polnische Öffentlichkeit vom wirklichen Sachverhalt zu informieren nicht nur im Keim erstickt, sondern nicht selten durch eigene propagandistische Interpretationen ersetzt wurden, entstand die Notwendigkeit, einen alternativen   Informationsumlauf zu schaffen, um eine weitere – in diesem Fall ostdeutsche – Wissenslücke polnischer Leser zu füllen. Die Teilung Berlins war  als eine sichtbare Form des Eisernen Vorhangs  für  Verleger und Autoren im Exil und im Untergrund ein Phänomen, das nicht nur eine geopolitische Dimension hatte. Metaphorische Darstellungen der Mauer, Schriftstellerschicksale auf beiden Seiten des „antifaschistischen Schutzwalls“, die Existenz der Verbannten aus der VR Polen im Schatten der  Mauer  und nicht zuletzt die Berliner Mauer als Verkörperung nackter Gewalt, fanden bald Zugang zur Literatur und Essayistik  „unangepasster“ Autoren. Der Beitrag umfasst sowohl Texte, die in der Pariser „Kultura“ und im „zweiten Umlauf“ erschienen sind, als auch  Erinnerungen polnischer Emigranten nach der Wende ’89/90  (vor allem Berliner Autoren) sowie ausgewählte Aspekte einer Kunst, die oft zwischen der offiziellen Szene und dem Untergrund  funktionierte – des Schaffens polnischer Rockmusiker und Liedermacher, die in ihren Songs das Thema „Mauer“ verarbeiteten.